Klaus Mertes SJ Kolumne

Mertes’ Meinung

Elon Musk, Bill Gates & Co.

Wie Superreiche über das Schicksal der Welt mitentscheiden

Elon Musk half mit seinem Satellitensystem Starlink der Ukraine, seine digitale Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Nun kommt er mit seinen »Friedensplänen« Putin entgegen und handelt dabei fast wie ein eigener Staat. Klaus Mertes sieht ein solches Agieren von Superreichen auf Augenhöhe mit Staaten kritisch.

Verpissen Sie sich“, schrieb der scheidende ukrainische Botschafter Andrej Melnyk an Elon Musk, den reichsten Mann der Welt. Der startete in jüngster Zeit Umfragen zu „Friedensplänen“ auf Twitter, die starke Ähnlichkeiten mit Forderungen des Kreml aufweisen: „Das einzige Resultat ist, dass kein einziger Ukrainer jemals Ihren verdammten Tesla-Mist kaufen wird“, kommentierte Melnyk dazu.

Starlink: eine große Hilfe für die Ukraine

Bis vor kurzem wurde Elon Musk in der Ukraine noch als Held gefeiert. Denn sein Unternehmen Starlink garantiert seit Kriegsbeginn das Funktionieren der digitalen Infrastruktur in der Ukraine. Russland hatte zwei Tage nach dem 24.2.2022 durch einen Cyberangriff den ukrainischen Provider und damit das Internet im Land lahmgelegt. Daraufhin hatte der ukrainische Vizepremier Fedorow Musk um Hilfe gebeten, und der hatte Starlink für die Ukraine freigeschaltet. Seitdem ist Starlink für den Verteidigungskrieg der Ukraine unverzichtbar.

Das aktuelle Vermögen von Musk wird auf 265,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Sein Unternehmen Tesla ist die weltweit größte Herstellerfirma von Elektrofahrzeugen mit ca. 110.000 Mitarbeitern. Ein Drittel seiner Fahrzeuge produziert Tesla in Shanghai. Auch für den China-Taiwan-Konflikt hat Musk einen „Friedensplan“ vorgelegt, den Taipeh als „inakzeptabel“ bezeichnet. Musk hat auch das Raumfahrt- und Telekommunikations-Unternehmen SpaceX gegründet. Es befördert für die NASA Astronauten ins All. Und dann gibt es da eben noch Starlink. Das Subunternehmen von SpaceX ist der weltgrößte Satellitenhersteller und -betreiber.

Die Frage nach dem Selbstverständnis

Wie immer man diese Vorgänge im Einzelnen einschätzen mag, so gibt es doch einen Aspekt, der mehr als nur nachdenklich stimmt: Wie kann es sein, dass Privatleute, die über mehr Vermögen verfügen als ganze Staaten, auf Augenhöhe mit Staaten global agieren? Was haben diese Leute für ein Selbstverständnis? Wir hatten das Thema mutatis mutandis schon bei Bill Gates, und jetzt bei Elon Musk.

Die Legitimation dieser Superreichen ist ihr Geld. Das ist keine demokratische Legitimation, vorsichtig ausgedrückt.

Mir kommen da Enteignungsphantasien. Kapitalismus plus Globalisierung bringt einen neuen Typus von Unternehmern hervor. Sie beanspruchen, nicht nur für ihr Unternehmen zu arbeiten, sondern auch über die Zukunft des Globus mitzuentscheiden. Darüber müssen wir sprechen.


Klaus Mertes

Als Klaus Mertes, geb. 1954, noch nicht wusste, dass er eines Tages Jesuit, Lehrer und Kollegsdirektor werden sollte, hatte er eigentlich zwei Berufswünsche: Entweder in die Politik gehen und Reden halten, oder an die Oper gehen und als Tristan in Isoldes Armen sterben. Rückblickend lässt sich sagen: Als katholischer Priester kann man beides gut kombinieren: Öffentlich reden und öffentlich singen. Die Jugendlichen, die Eltern, die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen und alles, was so im Lebensraum Schule und Internat anfallen kann, halfen ihm, vor den großen Fragen nicht zurückzuschrecken und zugleich bei den Antworten nach Möglichkeit nicht abzuheben. Seit Sommer 2020 hat er den Schuldienst nun verlassen und ist seitdem vor allem publizistisch und seelsorglich in Berlin tätig.

Foto: Wolfgang Stahl

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