Johann Spermann mit seinem neuen Buch Stille spüren Tiefe leben

Sinn  

»Stille spüren, Tiefe leben« – Körper und Geist in Dialog bringen

Die Kraft des Focusing mit Ignatius von Loyola vereint

Mit „Stille spüren, Tiefe leben“ legt Pater Johann Spermann SJ ein Buch vor, das zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Welten in einen fruchtbaren Dialog bringt: die achtsame Körperarbeit des Focusing nach Eugene Gendlin und die spirituelle Weisheit des Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens. Was daraus entsteht, ist kein weiteres Achtsamkeits- oder Ratgeberbuch, sondern eine Einladung zur Selbstbegegnung – ehrlich, achtsam und spirituell geerdet.

In einer Zeit, in der alles lauter, schneller und dichter wird, stellt sich für viele Menschen die Frage: Wie komme ich bei mir an – inmitten des Getriebenseins? Johann Spermann lädt mit seinem Buch dazu ein, sich dieser Frage zuzuwenden. Nicht mit fertigen Antworten, sondern mit einem erfahrbaren Weg.

Es gelingt Spermann, einem Jesuiten und erfahrenen geistlichen Begleiter, Focusing nicht nur als Methode, sondern auch als innere Haltung zu vermitteln. Dabei geht es ihm nicht um schnelle Lösungen oder spirituelle Selbstoptimierung, sondern um einen behutsamen Weg zu mehr Selbstverstehen, innerer Klarheit und dem Hören auf das „Leise“, das oft überhört wird – sei es in der eigenen Seele oder in der Stimme Gottes.

Wahrheit will sich zeigen

Focusing schult eine Haltung: behutsam, neugierig, offen. Es fragt nicht: „Was ist richtig?“, sondern: „Was will sich zeigen?“ Im Gegensatz dazu fragt Ignatius: „Wohin zieht es mich – und was bringt mich in Bewegung auf das Leben hin?“ Beide Ansätze setzen darauf, dass die Wahrheit nicht von außen aufgezwungen werden muss, sondern sich zeigen will – im Körper, in der Sehnsucht, im Alltag.

Das Buch ist verständlich geschrieben und zugleich tiefgründig. Spermann führt in die Grundlagen beider Ansätze ein, ohne sich in Fachsprache oder Theorie zu verlieren. Besonders überzeugend ist die Verbindung der körperlichen Resonanzarbeit des Focusing mit dem inneren Dialog, wie ihn die ignatianische Tradition kennt: Beides geschieht im Hinhören – auf das, was in mir lebendig ist, und auf das, was mich transzendiert.

Übungen für Kopf, Herz und Körper

Das Buch zeichnet sich durch seinen Praxisbezug aus. Es ist aus der geistlichen Begleitung und vielen Kursmomenten heraus entstanden und berichtet von tatsächlichen Erfahrungen. Die zahlreichen Übungen sind klar formuliert und laden dazu ein, das Gelesene unmittelbar auf das eigene Leben zu beziehen. Dabei werden Kopf, Herz und Körper gleichermaßen angesprochen – eine Seltenheit in spiritueller Literatur. In einer oft rational überfrachteten Welt öffnet Spermann einen Raum, in dem auch Intuition, Leibwahrnehmung und leise innere Regungen zählen. Spermann begleitet seine Leserinnen und Leser auf Augenhöhe: mit innerer Wärme, kluger Beobachtung und einem feinen Gespür für die spirituelle Tiefe alltäglicher Erfahrungen.

Stille spüren, Tiefe leben

Buch Stille spüren Tiefe leben

Dieses Buch bringt zwei unterschiedliche Welten zusammen: Focusing, eine körperorientierte Achtsamkeitspraxis – und die jahrhundertealte Ignatianische Spiritualität. Beide Ansätze gehen auf verschiedenen Quellen zurück, führen aber zum gleichen Ort: zum Menschen, der sich selbst und das Leben besser verstehen will.
Focusing macht auf die Muster aufmerksam, die unser Denken und Fühlen prägen, oft ohne dass wir es bemerken. Die Ignatianische Spiritualität öffnet den Raum, in dem Gottes leise Stimme hörbar wird. Beide Ansätze fordern die geduldige Arbeit an der eigenen inneren Welt, die achtsame Suche nach Klarheit.
Das Buch gibt Menschen die Klarheit, ihren Alltag zu reflektieren, unbewusste Muster zu erkennen und entschieden damit umzugehen. Es hilft dabei, innere Konflikte aufzulösen und gelassener im Umgang mit Mitmenschen zu werden.

Johann Spermann
Stille spüren, Tiefe leben

Die Kraft des Focusing mit Ignatius von Loyola vereint

208 Seiten, 13,5 x 21 cm Broschur
€ 18,00 (D) / € 18,50 (A)
Echter-Verlag
ISBN 978-3-429-06770-0


Anette Konrad

Ohne Block und Stift geht sie nie aus dem Haus. Denn die Journalistin könnte ja unterwegs auf ein spannendes Thema stoßen. Die promovierte Historikerin und Slavistin schreibt gerne über geschichtliche Themen, porträtiert faszinierende Menschen, verfasst aber auch Unternehmensporträts und Reisereportagen. Dabei verbindet sie Berufliches mit ihrer großen Leidenschaft: dem Reisen. Seit sie einige Monate in Moskau studiert hat, zieht es sie immer wieder nach Osteuropa. Im Heinrich Pesch Haus verantwortet sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

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