Sinn  

Jeden Tag ein neues Abenteuer

Buntes Aufgabenbündel als Volunteer

Wenn ich an meine Anfangszeit in Athen zurückdenke, wird mir deutlich, wie gut ich mich hier eingelebt habe. Es fühlt sich fast so an, als hätte ich in meinem ganzen Leben nichts anderes gemacht. Das liegt an drei Aspekten: meiner Arbeit, meiner Community und an dem Land oder der Kultur selbst.

Ich arbeite hier im Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) mit drei weiteren Freiwilligen zusammen, mit denen ich auch zusammenwohne. Meine JV-Kollegin Patricia ist auch gerade beim JRS tätig, jedoch in der Einsatzstelle in Bosnien-Herzegowina. Meine Aufgaben orientieren sich an fünf kleineren Projekten, die hier aktiv sind und von denen ich vier der Reihe nach vorstellen möchte.

Kostenlose Kleiderausgabe

„Magazi“ ist griechisch für „Laden“, und genau das ist „Magazi“ auch: ein Secondhand-Klamottenladen für Geflüchtete. Hier bekommen sie kostenlos Kleidung, aber auch Dinge wie Pampers oder Trockenmilch für die Kleinen. Seit Corona arbeiten wir mit Terminen, die über WhatsApp vereinbart und von uns Freiwilligen gemanagt werden. Pro Familienmitglied gibt es eine bestimmte Anzahl an Kleidungsstücken, die mitgenommen werden dürfen. Nur im Notfall weichen wir von den Regeln ab. Oft werden Unverständnis und Frust an uns ausgelassen, was angesichts der Lebensumstände der Menschen verständlich ist. Viele andere Dinge machen die Arbeit aber so schön und bereichernd: die vielen guten Gespräche, das Spielen mit den Kindern und die große Dankbarkeit. Das alles entschädigt für die schwierigen Momente.

Mariams Lieblingsprojekt: offene Angebote für Kinder am Viktoria Square (Bild: Amman).

Nähen als Entspannungstherapie

Einen Ort speziell für Frauen bietet das Women-Day-Center. Sie haben dort die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen, sich zu duschen, Wäsche zu waschen und an verschiedenen Workshops teilzunehmen. Ich biete seit knapp zwei Monaten einen wöchentlichen Scrunchie-Workshop an, bei dem wir Haargummis nähen. Zu meiner Freude stößt das Angebot bei fünf Teilnehmerinnen auf reges Interesse. Meist mache ich Musik an, während die Frauen nähen und sich in ihrer Muttersprache, Farsi, unterhalten. Das Women-Day-Center soll ein Ort sein, an dem die Frauen ihre Sorgen zurücklassen und sich entspannen können, und ich habe das Gefühl, dieses Ziel mit meinem Workshop erreicht zu haben.

Raum, Routine und Hoffnung

Altersunabhängigen Sprachunterricht bietet das Magistories-Projekt. Je nachdem welche Freiwilligen vor Ort sind, wird Deutsch, Englisch oder Griechisch gelehrt. Für Kinder bieten wir Mathematik, Spiele und Malen an. Ich unterrichte Mathe für Kinder und die erste Englischstufe für Erwachsene. Lehrerin zu sein ist für mich eine echte Herausforderung. Meine Geduld und Frustrationstoleranz werden regelmäßig auf die Probe gestellt. Es hat eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, worum es in diesem Projekt wirklich geht. Wir geben den Menschen einen sicheren Raum, eine Routine, Hoffnung. Wir hören viele Geschichten. Man lernt sich kennen und gewinnt Vertrauen. Mit diesem Verständnis im Hinterkopf wurde die Arbeit für mich viel leichter. Wenn mich meine Kids nach 90 Minuten Mathetortur umarmen und sie glücklich nach Hause gehen, war es die Mühen wert.

Dieser Beitrag ist zuerst im Magazin „jesuitenweltweit“ (Ostern 2022) erschienen. Das Magazin erscheint vier Mal im Jahr mit Reportagen und Berichten aus den Partnerprojekten der Jesuiten weltweit.

Den Menschen am nächsten

Zwei bis drei Mal die Woche gehen wir in einen nahegelegenen Park, den Viktoria Square, der sich in den letzten Jahren zum Hotspot für Geflüchtete, aber leider auch für Drogenabhängige und Kriminelle entwickelt hat. Wir spielen dort mit den Kindern, reden mit den Eltern und lernen Leute kennen. Es ist definitiv das Projekt, bei dem wir den Menschen am nächsten sind. Oft ist alles sehr emotional, und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ist es eines meiner liebsten Projekte hier. Das ist der JRS Greece, ein bunt gemischtes, abwechslungsreiches Programm. Jeder Tag ist anders. Ich sammle hier so viele einzigartige und wertvolle Erfahrungen und blicke mit Spannung auf die kommenden Monate!

Mariam bloggt über ihr Jahr in Griechenland.

Mehr Infos unter: jesuit-volunteers.org


Mariam Ammann

Nachdem Mariam Ammann 2020 in Brühl bei Köln ihr Abitur absolvierte, wollte sie mit Jesuit Volunteers, dem jesuitischen Freiwilligendienst, ins Ausland gehen und in einem sozialen Projekt mitarbeiten. Aufgrund der Covid19-Pandemie, wurde der Auslandseinsatz zwar abgesagt, aber sie entschied sich im darauf folgenden Jahr zu einer erneuten Bewerbung und arbeiten jetzt seit September 2021 für zwölf Monate beim Jesuit Refugee Service in Athen.

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26.09.2022 Zusammenleben
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BÄH – So steht es auf der Eingangstür zu einem ganz speziellen Museum in Berlin – dem Disgusting Food Museum, zu Deutsch: Ekelmuseum. Ausgestellt sind Madenkäse und Mäusewein, Bibergeil und Bullenpenis. Lohnt sich ein Besuch? Will ich wirklich Geld bezahlen, um mich zu ekeln? Oder ist es nur eine weitere Touristenfalle? Ein Selbstversuch.

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22.09.2022 Zusammenleben
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19.09.2022 Versöhnung
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Burkhard Hose ist eines der Gesichter von #OutInChurch und setzt sich seit Jahren für Reformen in der katholischen Kirche ein. Wir interviewen den Priester und Autor zu seinem neuen Buch „Verrat am Evangelium?“ und fragen ihn, was sich ändern sollte und was er Kritikern entgegnen würde.

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