Burkhard Hose Kommentar

Hoses Meinung

Bischöflicher Gesichtsverlust

Burkhard Hose zum Abstimmungsverhalten der Bischöfe beim Synodalen Weg

Bei der vierten Synodalversammlung haben die Bischöfe am 8. September 2022 das Papier zur Sexualmoral abgelehnt: Es erhielt nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit aus dem Kreis der Bischöfe und ist damit gescheitert. Der Schaden scheint für den Synodalen Weg groß zu sein – dabei liegt er aber ganz woanders. Ein Kommentar von Burkhard Hose.

Wir haben als queere Menschen in der katholischen Kirche mit #OutInChurch unser Gesicht gezeigt. Für viele von uns war das ein Moment der Befreiung, für manche bedeutete das gemeinsame Coming-Out im Januar 2022 auch eine erneute Konfrontation mit der eigenen Verletzungs- und Beschämungsgeschichte in der Kirche. An die Öffentlichkeit zu gehen und uns damit auch verwundbar zu machen, hat uns Überwindung gekostet. Aber wir haben es getan, weil es uns wichtig war.

Unser Weckruf lautete: Wir sind da. Wir sind viele. Wir sind in dieser Kirche. Uns bedeutet die Liebesbotschaft Jesu so viel, dass wir sie nicht den lieblosen und diskriminierenden Kräften in der Kirche überlassen wollen. Wir wollen nicht abhauen müssen, sondern wir möchten, dass sich etwas ändert. Wir bieten an, unsere Fähigkeiten für eine Erneuerung einzusetzen.

Ja, #OutInChurch war ein Angebot, auch an die Bischöfe. Die Botschaft war klar: Wir stehen nicht mehr für eure diskriminierende Lehre zur Verfügung, aber wir geben Euch die Möglichkeit umzudenken, Angst und Diskriminierung zu beenden und mit uns gemeinsam wieder den Blick auf die Botschaft freizumachen, die uns so am Herzen liegt. Wir haben die Kraft, aber nur ihr habt die Macht zur Veränderung. Es liegt in eurer Verantwortung. Lob und nette Worte reichen nicht.

Gesichtsverlust

Mit dem Abstimmungsverhalten am ersten Tag der vierten Synodalversammlung kam jetzt die eigentliche Antwort auf #OutInChurch. So haben es zumindest viele meiner Freund:innen für sich erlebt. Tränen in der Synodenaula und auf den Gängen, aber auch bei vielen von uns, die das Geschehen von zu Hause aus mitverfolgten. Ein Schlag ins Gesicht, das wir euch doch zugewandt hatten. Verursacht durch eine Reihe von Bischöfen, die in geheimer Abstimmung ihre Macht gezeigt und dabei einmal mehr ihre Autorität verloren haben.

Wir haben euch unser Gesicht gezeigt, ihr habt eures gestern verloren.

Ihr habt das Visier hochgezogen und euch in der kalten Rüstung einer Lehre, die theologisch und humanwissenschaftlich längst überholt ist, versteckt – eine einsame Demonstration der verantwortungslosen Macht.

Wie geht es weiter? Ich weiß es heute noch nicht, ob und wie es für uns queere Menschen weitergeht. Allen, die jetzt weiterhin ihre Zeit und Lebensenergie im Synodalen Weg für eine Reform der Kirche und für die Verteidigung der Menschenrechte einsetzen, möchte ich sagen: Ich fühle mich euch verbunden und begleite euer Engagement mit all meiner Sympathie. Ich verteidige Euch auch weiterhin gegen Hass, aber auch gegen alle Bitterkeit oder Häme derer, die jetzt wieder sagen: „Das war ja eh klar, dass der Synodale Weg scheitern würde“.

Eines steht für mich persönlich zumindest außer Frage: Wer einmal sein Gesicht gezeigt hat, wird sich nicht wieder verstecken.


Burkhard Hose

»Was für mich zählt, ist der Mensch.« Diese Haltung ist so etwas wie eine Richtschnur im Leben von Burkhard Hose. Als Pfarrer der Würzburger Hochschulgemeinde begleitet er junge Menschen bei ihrer Entwicklung und ist Seelsorger und Austauschpartner. Mit seinem politischen Engagement tritt er ein für ein freundschaftliches Miteinander der Religionen und für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik. Dass er damit bei engstirnigen Politikern wie auch bei plumpen Populisten aneckt, entmutigt ihn nicht. Sein Engagement wurde 2014 mit dem Würzburger Friedenspreis ausgezeichnet.

Foto: © wunderlichundweigand

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