Sternsinger

Zusammenleben  

Einmal ein König sein

Wie Kinder zu nah und fern Segen bringen

Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ feierte 2021 sein 175 Jubiläum und es gab sogar eine Sonderbriefmarke zu diesem Anlass . Doch was ist das Besondere an dem Dreikönigssegen, dass sich so viele Generationen von Kindern für die Aktion begeistern und einsetzen?

„Benedikt“ soll ein Segen sein?

„Christus mansionem benedicat“ – das klingt für kleine Kinderohren seltsam und noch seltsamer, wenn der Name Benedikt irgendwie in dem Spruch vorkommt. Was hat denn mein großer Bruder mit den Sternsingern zu tun? Aber was die großen Kinder da machen, das ist toll und das will ich auch machen, und das Malen von diesen Zeichen will ich auch können. So die Gedanken als 4-Jährige, als ich zum ersten Mal bei einer Sternsingerprobe war. Und dann stolz als Glöckner im braunen Umhang mit Goldborte bei den Sternsingern, an der Seite meiner Mutter und den anderen Kindern in einer Gruppe, mitlaufen durfte.

Weltweit größte Solidaritätsaktion für Kinder

Die Sternsinger haben sich zur größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit entwickelt. Jedes Jahr zieht in den ersten Wochen des neuen Jahres eine Heerschar von Kindern durch die Republik, verkleidet mit Umhängen, Kronen und Stern laufen sie durch ihre Dörfer und Stadtviertel, umwoben von einer Weihrauchwolke – sie fallen deutlich auf und finden das sehr gut.

Sogar pubertierende Teenager, für die ja bekanntlich alles peinlich ist, machen begeistert mit – aber warum? Sie sammeln Geld für fremde Kinder weit weg und die Bewohner der Häuser und Wohnungen haben offensichtlich auch etwas davon. Sie stellen ihr alltägliches Leben in eine Beziehung zu Gott und wünschen sich durch den Segen und den Besuch der Sternsinger mit ihren geweihten Gaben Gottes Beistand.

Sternsinger
Anlässlich des 175-jährigen Bestehens brachte die Post im Jahr 2021 eine Sonderbriefmarke heraus.

Aber warum tun das die Kinder?

Nun, die meisten Kinder bekommen am Ende der Aktion eine Tüte voller Süßigkeiten, aber das erklärt nicht, wieso man Proben und Minimum einen Tag laufen und singen auf sich nimmt – gerne sogar und jedes Jahr aufs Neue. Ich denke, es ist eine Mischung aus Hilfsbereitschaft, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit. „Kinder sammeln für Kinder“, das Kindermissionswerk gibt sich jedes Jahr viel Mühe, um mit verschiedensten Materialien einen Einblick in das Leben der Kinder zu geben, für die im jeweiligen Jahr schwerpunktmäßig gesammelt wird. Die Kinder erfahren, dass Sie diesen anderen Kindern helfen können. Sie haben eine gemeinsame Mission, wenn sie zusammenhalten und sich Mühe geben, können sie den anderen Kindern etwas Geld senden. Und wie gut sie das können, lässt staunen, denn nicht selten kommen vierstellige Beträge am Abend eines Sternsingertages zusammen, und das macht die Sternsingerkinder sehr stolz.

Sie erfahren hautnah, dass sie mit ihrem Tun etwas bewirken können und noch viel mehr, wenn sie sich mit anderen zusammentun.

Es wird leider nicht immer besser

2020 sammelten die Sternsinger unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit“. Sie lernten ein wenig über den Libanon, was das Land in den letzten Jahren durchmachte und wie die Lebensbedingungen für Kinder im Libanon sind. Sie haben verstanden, dass es gut ist, den Kindern dort zu helfen, und das nachhaltig, wie sich im Sommer herausstellte.

Sicher können sich noch viele an die Nachrichten und Bilder vom 4. August 2020 erinnern, als es am Hafen von Beirut gewaltige Explosionen gab, welche die Stadt kilometerweit zerstörten. Ein paar Tage später traf ich „einen Sternsinger“. Für uns Erwachsene waren die Detonation und ihre Folgen immer noch Gesprächsthema und wie sich herausstellte, beschäftigte es auch das Sternsingerkind. Es konnte sich nämlich noch gut daran erinnern, dass es als König für den Libanon gesammelt hatte und machte sich große Sorgen um die Kinder dort, die es ja sowieso schon so schwer haben …

Das Motto im Jahr 2022

2022 findet die Sternsingeraktion unter dem Motto „Gesund werden – gesund bleiben. Ein Kinderrecht weltweit“ statt, vieler Orts leider nur mit Briefen, welche eingeworfen oder abgeholt werden; manche haben auch ein Video gedreht.

Die kleinen und großen Sternsinger dürfen schon zum zweiten Mal nicht in die Häuser der Menschen und versuchen, über andere kreative Wege ihre Mission zu erfüllen. Und dennoch stellte sich Anfang Januar 2021 der Eindruck ein, die heiligen drei Könige waren gesellschaftlich präsenter als sonst. Denn in den sozialen Medien und Messengern wurden ungewöhnlich viele Videos und Bilder verbreitet und geteilt.

Man hofft immer, dass neben einem tollen Tag auch etwas von der Mission bei den Kindern hängen bleibt. Aber die Empathie, Verantwortung und Solidarität, die sich im Sommer bei dem Gespräch mit dem Sternsingerkind zeigte, war beeindruckend. Auch wenn die Kinder nur für einen Tag König sind oder zum Königsgefolge gehören, wenn sie dadurch zu weltoffenen und solidarisch denkenden Menschen heranwachsen, hat sich die Sternsingeraktion (auch für sie) allemal gelohnt!

Fotos: © Martin Steffen, Kindermissionswerk


Veronika Löser

Bildung und ein gutes gesellschaftliches Miteinander sind ihr ein großes Anliegen. Aktuell ist sie für ein Bundesprojekt im Bereich der frühkindlichen Bildung tätig, wobei ihr beständig auffällt wie wichtig der Austausch, die Toleranz und das Verständnis zwischen den Kulturen und Religionen, gerade im Alltäglichen ist. Nach Feierabend treten Musik, Familie, Natur und ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde in den Vordergrund und manchmal lässt sich alles ganz wunderbar miteinander vereinen.
Veronika Löser ist im Team der Familienbildung Ludwigshafen.

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