Sinn Gesellschaft Blumen Glückwunsch

Sinn  

Wir wollen mit Euch an eine bessere Welt glauben!

Ein Blumenstrauß zum Start des Online-Magazins „Sinn und Gesellschaft“ vom Team des Zentrums für Globale Fragen (ZGF) der Hochschule für Philosophie München

Die Konzentration fällt schwer heute, an diesem 4. November 2020 – ständig überprüfe ich den Stand der Wahl in den USA oder denke an die Bilder des schrecklichen Attentats in Wien. Erst kürzlich zog ich noch mit meinen Eltern fröhlich durch den 1. Bezirk. Nun herrschen dort Angst und Schrecken. Es sollte mich eigentlich nicht wundern, dass mein Seminar zur „Angst als menschliche Grundbefindlichkeit“ in diesem Semester bereits Tage vor dem Beginn der Lehrveranstaltungen ausgebucht ist und die Warteliste immer noch wächst. Viktor Frankl sprach einst von der „Trotzmacht des Geistes“, die er seiner Angst entgegenstellen wollte. Denn, so betont er, man muss sich nicht immer alles von sich selbst gefallen lassen.

Wir möchten Euch gratulieren zu Eurem Versuch, diese „Trotzmacht“ zu kultivieren und wie einst Frankl nach der Bedeutung des Sinns für unser Leben zu fragen und es zu wagen, sich für eine bessere Welt zu engagieren. Wir möchten Euch zudem zurufen, dass wir mit dabei sind, wir möchten mit Euch an einem Strang ziehen, Menschen zum Denken und Fühlen anregen, deren Sinn-Organ stärken. Wir möchten uns dem Dialog stellen – auch mit Menschen, deren Meinungen und Vorstellungen uns Mühe bereiten.

Wir kommen nicht mit leeren Händen, sondern bringen Euch einen Blumenstrauß an Gedanken mit, den wir in unserem Team zum Thema „Sinn und Gesellschaft“ „gepflückt“ haben. Jedes Blümchen soll in seiner Einzigartigkeit einladen zum Mit- und Weiterdenken:

Was macht den Menschen einzigartig? Vor 150 Jahren hätten die Wissenschaftler geantwortet: Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das nicht nur seinem Instinkt folgt, sondern denken kann. Vor siebzig Jahren hätte man das vorsichtiger formuliert: Nur der Mensch stellt gezielt Werkzeuge her. Heute wissen wir, dass auch Schimpansen dies tun – und in ihrem Planungs- und Vorstellungsvermögen durchaus mit einem dreijährigen Kind mithalten können. 

Barbara Schellhammer

Zentrum für Globale Fragen

Was macht den Menschen noch einzigartig? Unter anderen sind wir das einzige Lebewesen, sich selbst Regeln für das Zusammenleben gibt. Wir dürfen uns fragen: in welcher Gesellschaft wollen wir leben? Was macht sie gerecht, was macht sie menschlich?

Stefan Einsiedel


Wer ist gemeint, wenn über „die Gesellschaft“ gesprochen wird? Sind es diejenigen, die das Zusammenleben durch Regeln und mediale Öffentlichkeit bestimmen oder sind es alle?

Für mich schwingt das Wort gezellig mit (niederländisch für gemütlich), doch muten öffentliche Diskurse mitunter eher ungemütlich an – und das ist wertvoll, da es ein Zeichen dafür ist, dass auch diejenigen als Teil der Gesellschaft betrachtet werden, die durch ihre Meinung, ihren Lebensstil oder ihre Handlungen Reibung ins System bringen. Es wäre schön, wenn es Euer Online-Magazin schafft, auf eine Art und Weise unbequeme Fragen aufzuwerfen, die – statt den Diskurs weiter zur erhitzen – Verständigung fördert und Brücken baut.

Lena Schützle


Gerade in besonderen Zeiten wird vielfach ein „Gesellschaftssinn“ gesucht oder gar beschworen. Doch wie ist „Sinn“ in diesem Zusammenhang gemeint? Als Sinnlichkeit, der Geist einer Gesellschaft, oder als eine Art „Zielsinn“, als Begründung für den aktuellen oder einen angestrebten Zustand in der Zukunft?

Vermutlich suchen wir vor allem in kritischen Zeiten etwas, das Sicherheit und Halt verspricht, das Orientierung gibt – einen Sinn, der uns in schweren Zeiten zusammenhält, auch wenn wir auf Entfernung leben müssen. So sind wir, gerade jetzt, auf der Suche nach „Sinn und Gesellschaft“. Was ist unser Ziel und was leitet uns auf diesem Weg?

Benedikt Ronge


Was machen wir hier,
Wir sind hier, 
Ja, aber was machen wir denn hier,
Wir sind halt da,
Aber es muss doch einen Sinn geben,
warum wir hier sind,
Wir sind eben irgendwie hierhergekommen,
Aber es muss doch einen Grund geben,
warum wir hier sind,
Stille
Ich bin hier, weil ich euch zu hören möchte,
Ich bin hier, weil ich mehr Fragen als Antworten habe, 
Ich weiß selber nicht warum ich hier bin,
aber vielleicht werde ich es rausfinden,
Immerhin sind wir zusammen hier und nicht alleine.
Jetzt sind wir also zusammen hier,
und jetzt?
Liegt es an uns, was draus zu machen.

Jochanah Mahnke, in Anlehnung an Wolfram Lotz’ Stück „Einige Nachrichten an das All“


Lasst uns was draus machen! Lasst uns der Zeit einen Sinn verleihen, der verändert. Wir haben Lust darauf, mit Euch auf die Suche zu gehen – im Wagnis des Dialogs, in dem wir geben, was wir nicht haben.

Barbara Schellhammer und das Team des ZGF

Foto: © LightFieldStudios/iStock.com


Hochschule für Philosophie München

Das Zentrum für Globale Fragen
Die Bereiche Migration/Flucht, Umweltethik/Nachhaltigkeit und Interkulturalität/Entwicklung stehen durch die lange Tradition des ZGFs (ehemals Institut für Gesellschaftspolitik, IGP) im Mittelpunkt. Zu diesen und anderen Themen arbeitet es im engen Austausch mit dem Lehrstuhl Intercultural Social Transformation (IST) und weiteren Instituten der Hochschule, z.B. dem Institut für Ethik und Sozialphilosophie (IES).
Das Institut hat auch einen eigenen Blog: kontrapunkte.hypotheses.org

Weiterlesen

3
28.11.2022 Nachhaltigkeit

Ukama – Ort der Vernetzung und gelebter Solidarität

Das ehemalige Noviziat der Jesuiten in Nürnberg ist jetzt Ukama-Zentrum: Der Eröffnungskongress wurde zum programmatischen Wegweiser des neuen jesuitischen Stützpunkts für Sozial-Ökologische Transformation.

weiter
24.11.2022 Zusammenleben
Gewalt gegen Frauen Orange

Orange the World!

Die UN-Kampagne „Orange the World“ macht seit 1991 auf Gewalt aufmerksam – immer vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte.
Gewalt gegen Frauen ist eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzung – auf der ganzen Welt. Wir alle müssen zum Ende dieser Gewalt beitragen.

weiter
21.11.2022 Sinn
Steven Uhly

»Ja, ich glaube an Erlösung«

Der neue Roman von Steven Uhly ist ein Kammerspiel im wortwörtlichen Sinne: Es spielt in einem Beichtstuhl. „Die Summe des Ganzen“ nimmt die Leser mit in Gespräche zwischen einem Priester und einem Mann, dem offenbar eine schwere Sünde plagt. Nach und nach wird klar: Es geht um Missbrauch, Obsession und die Liebe zu einem Jungen. Doch die Begegnungen im Beichtstuhl entwickeln sich anders als gedacht: Bald gerät der Priester selbst in den Sog der Fragen und Versuchungen, er wird fast süchtig nach den weiteren Bekenntnissen des Mannes.

weiter