Gewalt gegen Frauen Orange

Zusammenleben  

Orange the World!

Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig

Geschlechtsspezifische Gewalt fängt im Kleinen an – sie wurzelt im Alltagssexismus, der konsequent beendet werden muss. Auf der Straße, am Arbeitsplatz, beim Ausgehen, im eigenen zu Hause – keine Frau auf der Welt ist vor Gewalt geschützt, auch nicht in Deutschland. Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht jährlich eine Statistik zu partnerschaftlicher Gewalt und die Zahlen sind jedes Mal erschütternd.

Erschütternde Zahlen …

Im Jahr 2020 hat jeden Tag ein Mann versucht, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Etwa alle zweieinhalb Tage starb eine Frau durch die Gewalt ihres Partners. Jede Stunde werden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in Partnerschaften. Diese Zahlen – hinter denen Menschen stecken – zeigen jedoch nur die Gewalt, die zur Anzeige gebracht wurde. Die Dunkelziffer ist weit höher. Und mehr noch: Das BKA beschreibt nur die partnerschaftliche Gewalt, Frauen erleben jedoch auch im öffentlichen Raum Gewalt, tagtäglich. Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen.

… die keine Normalität sein sollten

Ich persönlich kenne keine einzige Frau in meinem Umfeld, die nicht bereits körperliche, sexualisierte oder psychische Gewalt durch einen Mann erlebt hat, die von Fremden oder Bekannten anzügliche Sprüche gehört hat, betatscht wurde, bedrängt wurde. Denn die Gewalt fängt genau da an: bei unangebrachten Sprüchen vom Chef, beim unangenehmen Gefühl, nachts unterwegs zu sein oder nicht sicher zu sein, ob K.O.-Tropfen im Getränk gelandet sein könnten. Die meisten Frauen in meinem Umfeld sind ständig auf der Hut – und nehmen das als selbstverständlich wahr. So werden wir schließlich erzogen und sozialisiert. Es sollte aber keine Normalität sein, ständig potenzieller Gewalt ausgesetzt zu sein.

Gewalt und Sexismus im Alltag bekämpfen

Um die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu bekämpfen, ist dringen Aufklärung nötig: Wo fängt Gewalt an? Welche Formen kann Gewalt annehmen? Werbung, die Frauen und Mädchen sexualisiert und herabwürdigt, anzügliche Sprüche von Männern in Machtpositionen, die Freundin zum Sex drängen oder die Partnerin kontrollieren – das ist der Nährboden der Gewalt, die im schlimmsten Fall im Mord – bzw. „Femizid“ – endet.

Wir von UN Women Deutschland setzen uns dafür ein, dass Männer anerkennen, dass sie einen wichtigen Teil zum Ende der Gewalt beitragen müssen – nicht nur als (potenzielle) Täter, sondern auch, indem sie das „Nein“ von Frauen akzeptieren und sexistische Sprüche ihrer Kumpels nicht durchgehen lassen.

Politische Gesamtstrategie

UN Women Deutschland fordert, dass geschlechtsspezifische Gewalt als strukturelle Diskriminierung anerkannt wird. Um geschlechtsspezifische Gewalt nachhaltig zu beenden und um die Unabhängigkeit von Frauen zu stärken, braucht es eine politische Gesamtstrategie und Gleichstellung auf allen Ebenen. Dazu gehört ein Verbot sexistischer und diskriminierender Werbung im öffentlichen Raum, Gewaltprävention und der Abbau von Stereotypen und Geschlechterrollen. Außerdem muss die eigenständige Existenzsicherung von Frauen gestärkt werden, u. a. mit besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mit Equal Pay und Equal Care. Wer finanziell von einem Partner abhängig ist, kann sich oft nicht trennen und ist der Gewaltsituation weiter ausgeliefert. Wer wenig Geld hat, traut sich eventuell nicht, juristische Hilfe zu suchen.

Orange the World

Orange The World! 

Die UN-Kampagne „Orange The World“ macht seit 1991 auf Gewalt aufmerksam: vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Sie ist seit 2008 Teil der „UNiTE to End Violence against Women“-Kampagne des UN-Generalsekretärs, die von UN Women durchgeführt wird. Während der 16 Aktionstage zeigen Menschen, Organisationen, Unternehmen, Regierungen und Städte mit der Farbe Orange ihre Solidarität und die Nulltoleranz von Gewalt gegen Frauen.

Mehr Informationen zu Orange The World 2022: www.gewalt-stoppen.org

Foto: © Pyrosky/iStock.com


Bettina Jahn

hat Politikwissenschaften und Lateinamerikanistik in Köln und Buenos Aires studiert und war bei Nichtregierungsorganisationen in Deutschland und Südafrika beschäftigt. Seit 2017 arbeitet sie bei UN Women Deutschland und ist für Presse, Kommunikation und Bildung zuständig.

Weiterlesen

3
19.02.2024 Transformation

Visionen für die zukunftsfähige Stadt

Buntes Amt für Zukunft heißt ein Nürnberger Kunstprojekt, das sich für ein autofreies und liebenswertes Nürnberg einsetzt. Noch bis zum 28. Februar zeigt das Caritas-Pirckheimer-Haus Bilder dieser Vision. Susanne Kaiser hat mit dem Kopf von BAZN, Ulrich Schmitt, darüber gesprochen, wie Städte zukünftig aussehen könnten und wie der Wandel gelingen kann.

weiter
12.02.2024 Sinn
Fastenzeit Frank Berzbach

Die christliche Fastenzeit und die Moden des Fastens

»Dry January« oder der Trend des »Minimalismus«: Fasten und Verzicht sind Modephänomene geworden. Erlebt mit ihnen die christliche Fastenzeit einen neuen Boom? Nicht ganz, denn es gibt einen großen Unterschied. Frank Berzbach wirft darauf einen näheren Blick.

weiter
05.02.2024 Zusammenleben
Justus Geilhufe

„Die Widersprüche sind die Hoffnung“

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland gehören keiner Kirche mehr an. Die Austrittszahlen sowohl auf katholischer als auch auf evangelischer Seite sind so hoch wie nie. Wir leben in einem entkirchlichten Land, urteilt Justus Geilhufe. Er ist Pfarrer in Sachsen und hat ein Buch über die atheistische Gesellschaft und ihr Kirche verfasst. Hat die Kirche überhaupt noch einen Stellenwert – und wenn ja: welchen? Im Interview gibt er Auskunft.

weiter