Bibel lesen Gold

Sinn  

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Wie ihn das Lesen und Arbeiten mit der Bibel nährt, stärkt und „auflädt”, verrät uns der Jesuit Georg Fischer. In seinem Beitrag führt er an Bibelstellen, die prägen und zu Haltepunkten geworden sind.

Bei Laufwettbewerben gibt es für Läufer*innen „Ladestationen“, für Autos gibt es Tankstellen, für elektrische Fahrzeuge inzwischen Ladestationen. Sie alle geben in hoch konzentrierter Form Energie und ermöglichen es, weite Strecken zurückzulegen. Die Bibel ist auch eine Art Labestation, die aber noch viel mehr Kraft gibt und dazu kostenlos ist (Jes 55,1–3).

Mir wurde geschenkt, schon in der frühen Jugend Freude an Gottes Wort zu haben und häufig darin zu lesen. Jesu Botschaft und seine Hingabe, gerade auch für Arme und Schwache, haben mich fasziniert und dazu geführt, 1972 um Aufnahme in den Jesuitenorden zu bitten. Seitdem ist die Heilige Schrift meine treue Begleiterin, selbst im Urlaub. Eine besondere Gnade war, dass der Provinzial mich 1980 dazu bestimmte, Altes Testament zu studieren. So ist die Bibel mein Lebensinhalt geworden.

„Gott! Mein Gott bist Du! Nach dir morgenröte ich …“ (Ps 63,2)

Mit diesem Gebet beginne ich seit Jahrzehnten jeden Sonntagmorgen, auswendig, auf Hebräisch, die Woche. Für jeden Tag, früh und abends, sind es meist zwei oder ein längerer Psalm, die mich mit Gott verbinden und von ihm her tiefe Ruhe schenken. Morgens stärkt es für die Arbeit, und abends ist das Beten dieser herrlichen Gedichte erfüllt von großer Dankbarkeit. Über die Jahre ist die Sehnsucht – das Verb „morgenröten“ (so im Original) steht dafür – immer mehr gewachsen und eine innige Nähe zu Gott entstanden, die Vertrauen und Zuversicht gibt. Die auswendige Kenntnis dieser Psalmen hat ein „Heimatgefühl“ entstehen lassen. Es hat auch den Vorteil, sie jederzeit, im Dunkeln, beim Warten, auf Reisen oder bei anderen Gelegenheiten beten zu können und zu spüren, bei Gott geborgen zu sein.

„Nicht vom Brot allein

… sondern von allem, was aus dem Mund Jhwhs kommt, lebt der Mensch“ (Dtn 8,3), lehrt Mose das Volk vor dem Einzug. Er deutet damit die Erfahrung des Wanderns in der Wüste. Tatsächlich brauchen wir Menschen auf unserem Weg durch das Leben, der oft auch einsam ist und durch „dürre Gegenden“ führt, mehr als nur Nahrung für den Körper. Gottes Wort ist stärkend, unaufhörlich, für alle Pfade und Steige; es gibt sogar auch Licht dafür (Ps 119,105). Viele Menschen begleitet Psalm 23 „Jhwh ist mein Hirte“ auf ihrem Weg durch die letzten Lebensjahre und in den Tod hinein. Er schenkt ihnen Vertrauen und Trost.

„Süßer als Honig“ (Ps 19,11)

Was geistig nährt, verbraucht sich nicht wie das, was wir essen; es macht zudem nicht dick. Die Heiligen Schriften übersättigen auch nicht. Nach über 50 Jahren intensiver Beschäftigung mit ihnen verspüre ich noch immer den Wunsch, sie besser kennenzulernen. Sie sind für mich köstlicher als exquisite Schokolade. Ein Satz wie „Ich will singen für meinen Liebsten, das Lied meines Freundes“ (Jes 5,1), der mir Gott als geliebten Freund nahebringt, liefert Freude ohne Ende. Gerne vergleiche ich die Bibel auch mit Sirup: Sie ist eine extrem verdichtete Kostbarkeit mit unzähligen geistlichen und menschlichen Erfahrungen. Wie man gewöhnlich Sirup nicht pur trinkt, muss sie ebenso „verdünnt“, in kleinen Dosen genossen werden, gemischt mit Beten, Nachdenken, Bezügen zu unserem Leben.

„Kostbarer als viel Gold“

Diese Einschätzung gibt Psalm 19,11 der Weisung Gottes. In vielen Bibelrunden durfte ich erfahren, wie die biblischen Texte Teilnehmende beschenken, ihnen Orientierung, Motivation, Einsicht geben und uns untereinander verbinden getreu Psalm 133,1: „… wenn Geschwister in Eintracht zusammensitzen“. Ich konnte erleben, wie Schriftstellen Blindheiten heilten, Versöhnung auslösten und Menschen im Guten wachsen ließen. Gelobt sei Gott für sein Wort!

Das Jesuiten-Magazin

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Dieser Beitrag ist entnommen aus Heft 4/2023 vom Jesuiten-Magazin. Der Schwerpunkt der Ausagbe liegt sich diesmal bei Lebenselixiere: Es kommen Menschen zu Wort, die von ihren Lebenselixieren erzählen – Dinge, Themen und Bereiche, in denen sie Weite erfahren und zu sich selbst (und zu Gott) finden.

Das Jesuiten-Magazin erscheint viermal jährlich und ist kostenlos. Sie können es hier abonnieren:


Georg Fischer SJ

unterrichtet seit 1985 Altes Testament und hatte einen Lehrstuhl für dieses Fach an der Universität Innsbruck bis zu seiner Emeritierung 2022. Er spielt Cello, liebt Klettern, Walzer tanzen, auch mit Skiern, sowie Kartenspiele, vor allem Jassen und Bridge.

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