Esel

Versöhnung  

Jesus braucht Esel

Was uns der Esel über Advent, Alltag und Hoffnung lehrt

Vielleicht haben Sie herzhaft gelacht oder sich gefragt, was das denn jetzt soll: Jesu braucht Esel? Wenn wir an Esel denken, dann eher an den Palmsonntag oder den Alltagsbegriff: du dummer Esel. Aber Advent und Jesus? Vielleicht kam Ihnen Ochs und Esel in der Krippe in den Sinn – dabei sind diese erst seit dem 4. Jahrhundert Teil der Weihnachtsgeschichte. In der christlichen Tradition symbolisieren der Ochse das Volk Israel und der Esel die Heiden.

Wieso braucht Jesus Esel? Ein Blick in die Bibel verrät, dass der Esel Jesus von Anfang an bis zu seinem Ende begleitete. Jesus und Maria sind mit einem Esel unterwegs nach Betlehem. Der Esel trägt die schwangere Maria und damit das Jesuskind. Wenn wir den Esel in der Krippe hinzunehmen, wird er Wärme in den Stall gebracht haben, Unterhaltung – ich stelle mir ganz im Sinne der ignatianischen Schriftbetrachtung vor, dass alle herzhaft gelacht haben, als der Esel das neugeborene Kind mit einem kräftigen i-ah begrüßt hat – und er hat Maria und Josef Gesellschaft geleistet. Später musste die Heilige Familie nach Ägypten fliehen – mittendrin der Esel, der Schutz gab, mittrug, ein wenig Vertrautheit bot, vielleicht das Jesuskind in den Schlaf schaukelte.

Auch im weiteren Leben Jesu kommt immer wieder ein Esel vor. So sendet Jesus zwei Jünger aus, einen Esel loszubinden, und wenn sie gefragt werden, sollen sie antworten: Der Herr braucht ihn! (vgl. Lk 19). Und die wohl bekannteste Szene: Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Hier trägt der Esel nicht nur Jesus, hier wird er zur Symbolkraft des Friedens und der alttestamentarischen Prophezeiung (vgl. Sach 9,9). Der Esel wird zum Zeichen für Gottes Herrschaft.

Im Gegensatz zum Pferd als Kriegstier reitet Jesus auf dem „Tier der Armen“ auf dem „Tier des Alltags“. Der Esel bekommt damit etwas Revolutionäres.

Wozu eigentlich ein Esel?

Immer noch keine Idee, warum Jesus Esel braucht? Damit Gottes Herrlichkeit in dieser Welt sichtbar wird, braucht es Menschen, die mittragen, die Wärme verbreiten, andere in schwierigen Zeiten zum Lachen bringen, Hoffnung verbreiten. Es braucht immer wieder Wegbegleiter, die Einsamkeit vertreiben, ein Stück Vertrautes bieten und damit Halt geben, bei denen man Schutz findet, und die einen vielleicht auch sinnbildlich mal in den Schlaf schaukeln.

Ja und es braucht in unserer Zeit mehr denn je den Einsatz für Frieden. Sie fühlen sich überfordert? Wie gut, dass der Esel für die einfachen und oft machtlosen Menschen steht – also für Sie, Dich und mich. Jesus braucht Esel – sind Sie dabei?

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Dieser Text wurde dem Adventskalender „Licht in allen Dingen“ entnommen. Der Adventskalender mit ignatianischen Impulsen ist im echter-Verlag erschienen und kostet € 9,90. Er ist im Buchhandel erhältlich.


Christiane Martin

Komplexe Zusammenhänge mit Spiritualität und der Alltagserfahrung zusammenzubringen und daraus nächste Schritte zu entwickeln, kreative Glaubensformen auszuprobieren und dabei Menschen Erfahrungsräume für Gottes Gegenwart zu erschließen, begleitend, achtsam, hörend und lösungsorientiert mit Menschen unterwegs sein, darin besteht ihre Leidenschaft.

Als Pastoralreferentin arbeitet sie im Erzbistum Freiburg, leitet das geistliche Zentrum NI.KO in Heidelberg, ist Exerzitienbegleiterin, Supervisorin, Coach, Organisationsberaterin, Geistliche und spirituelle Prozessbegleiterin für Gruppen, Teams und Einzelpersonen.

Ihre Promotionsschrift „Im Himmel können alle gebärden“ widmet sich der Liturgie und Pastoral mit Gehörlosen.

Als nebenberufliche Referentin verantwortet sie Ausbildungskurse zu Geistlicher Begleitung und spiritueller Prozessbegleitung im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen.

Bild: Keskin-arts

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