Schattenwurf eines Papstes

Zusammenleben  

»Ich wünsch’ mir einen konservativen Papst«

Im Mai 2025 suchen die Kardinale nach einem Nachfolger für Papst Franziskus. Wer wird es werden? Das ist die eine Frage. Ebenso oft wird gefragt: Wie soll er sein? Carsten Leinhäuser hat hier einen ganz persönlichen Wunschzettel verfasst.

Schon klar. Wir sind hier nicht bei „Wünsch Dir was“. Und überhaupt: Ich kleiner Krümel hab nix zu melden, wenn’s um die Torte geht. Das klären immer noch die Purpurträger unter sich. Streng geheim. Natürlich in reiner, geistlicher Atmosphäre. Wo kämen wir auch hin, würden da kirchenpolitische Spielchen und Machtgehabe eine Rolle spielen…

Aber wenn.

Wenn ich mir was wünschen dürfte.

Dann wünschte ich mir einen konservativen Papst.

Und zwar richtig.

So konservativ, dass er die Frohe Botschaft ohne Wenn und Aber ernst nimmt. Inklusive der Seligpreisungen. Inklusive der Sache mit der Nächstenliebe.

So konservativ, dass er wie Jesus den Kopf schütteln würde über all die Gesetzeslehrer und Pharisäer, die versuchen, Gottes Geist zu zähmen.

So konservativ, dass er wie Jesus die Menschen über das Gesetz stellen würde.

So konservativ, dass er wie Jesus lieber bei den Armen, den Verletzten und den Ausgegrenzten wäre, als seine Zeit in prunkvollen Palästen zu vergeuden.

So konservativ, dass er sich laut und deutlich für die Bewahrung der Schöpfung – das größte Geschenk Gottes an die Menschheit – einsetzen würde.

So konservativ, dass er sich konsequent gegen Ungerechtigkeiten einsetzen würde. In der Welt und in der Kirche.

So konservativ, dass er es nicht länger dulden würde, dass die ersten Verkünderinnen der Frohen Botschaft weiterhin kleingehalten werden. Möglicherweise könnte er sich sogar eine Nachfolgerin vorstellen. Wer weiß.

So konservativ, dass er alle Gesetze der Kirche auf den Prüfstand stellen würde. Egal, wie lange sie schon gelten. Sein Maßstab wäre Jesus Christus. Nicht das „das haben wir schon immer so gemacht.“

So konservativ, dass er wie Jesus ein leuchtendes Beispiel der Liebe und der Barmherzigkeit wäre. Einer, der zuhört und berührt. Einer, der aufrichtet, befreit und heilt.

Einen konservativen Papst wünsch ich mir.

Aber bitte richtig. Gerne auch unbequem.

Franziskus hat schon mal ein paar Schritte in diese Richtung gemacht. Manches ist ihm gelungen. Manches hat er nicht geschafft. Viele Baustellen sind noch offen.

Die Traditionalisten hat er immer wieder verärgert. Die Liberalen immer wieder enttäuscht.

Bin gespannt, wie’s weitergeht. Und schau mit Spannung hin. Mit meinem linksgrün-versifften, konservativ-woke-liberalem Herzen…

Foto: bluekite/iStock.com


Carsten Leinhäuser

Jahrgang 1979, ist waschechter Saarländer aus Rohrbach; von Gott begeistert und »Menschenfischer«; ständig im Web unterwegs; Bücherwurm; Langschläfer und Faulenzer; Reisender; Brillen- und Linsenträger; Filmegucker; Fotograf. Unterwegs mit Bibel, Stola & Kaffee. Theologie-Studium in Mainz (1998–2004), Priesterweihe 2006. Kaplan in St. Anton & Christ König, Winzeln, Gersbach und Windsberg. Anschließend verschiedene Funktionen im Bereich Jugendarbeit. 2015–2019 Diözesanjugendseelsorger im Bistum Speyer. Seit Herbst 2019 Pfarrer in Winnweiler/Rheinland-Pfalz.
Foto: © Sergej Falk

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