Kirche Heldentum Subkultur

Versöhnung  

Gebt den dunklen Seiten keine Macht

Warum wir uns mit Lüge und Schwarz-Weiß-Denken in der Kirche nie abfinden dürfen

Zugegeben, ich lese gerne leichte Literatur und Science Fiction steht da ganz oben auf der Liste. Ich liebe die Welt der Raumschiffe, unbekannter Weiten und gesellschaftlicher Utopien. Einige dieser Bücher lese ich aus ganz anderen Gründen. Es gibt eine Subkultur, die ich verstehen möchte.

Das Schema ist immer einfach: Ehrenhafter Held, der sich mit unglaublich bösen Aliens oder Menschen konfrontiert sieht. Er vertritt Werte wie Ehre, Heimatverbundenheit, Fürsorge für die Menschheit … Während alle Politiker korrupt und die Mehrheit der Menschheit verweichlicht sind. Nur der harte Weltraumcowboy kann mit Geradheit, Härte, Mut und Glück zum Retter werden. Die Nutzlosen und Schwachen werden in Massen geopfert. Wer aus Heldensicht nicht dazupasst, darf mit allen Mitteln vernichtet und zerschrettert werden. Was dem Helden natürlich immer gelingt.

Der Zweck heiligt die Mittel nicht – das gehört zum kleinen 1*1 eines jeden Jesuiten. Das zählt in dieser Subkultur nicht. Lüge, Schwarz-Weiß-Denken, Gewalt bis zur Auslöschung, holzschnittsartige Wahrnehmung der Realität und das Fehlen jeder Form von Perspektivübernahme, Verhältnismäßigkeit der Mittel und Empathie für das Gegenüber fehlt. Sieg und Vernichtung, nur darum geht es.

Mir ist das so fremd, dass es mich immer wieder beutelt. Und dennoch tue ich es mir diese Bücher an, versuche die zentralen Werte, Denkformen und Beweggründe zu verstehen. Ich möchte wissen, was „die da“ egal ob im Wilden Westen oder Osten, bewegt und wie die Volksaufwiegler im Hintergrund agieren.

Mir hilft das zu schärfen, wofür ich stehen möchte und für welche Kultur ich eintreten möchte: Freiheit im Denken, Solidarität, Nächstenliebe, Wachsen am Anderen, Dialog … Ich möchte für eine Welt eintreten, die nicht nur einer Gruppe eine Chance einräumt.

Leider ist die Kirche nicht besser

Eines kann ich mir nicht verkneifen: In der lieben Kirche gibt es diese Subkultur leider auch, die aus Angst, Abwertung und Allmachtsfantasien seit Jahrhunderten zum Kreuz des Herrn wurde.

Manche Angehörige dieser Subkultur nutzen Festtagspredigten, andere den Beichtstuhl, zum Schaden des Volkes Gottes.

Wenn es nicht so schädlich und traurig wäre, würde ich gerne lächeln und mich zurücklehnen, denn ich bin mir sicher, dass sie wie der Syllabus Geschichte sind. Syllabus – das kennen Sie hoffentlich schon gar nicht mehr: Die Verurteilung der Moderne durch die Kirche.

Klar, wir sehnen uns nach Helden. Und manchmal denken wir sogar, wir wüssten ganz genau, was Gott will. Aber nichts, nicht einmal die Berufung auf den lieben Gott, heiligt die Mittel.

Foto: © Eliza/photocase.com


Johann Spermann SJ

Johann Spermann SJ, Jesuit, Theologe und Psychologe. Er wirkte u.a. als Provinzökonom der Deutschen Provinz der Jesuiten und war zehn Jahre Direktor des Heinrich Pesch Hauses in Ludwigshafen und Co-Leiter des Zentrums für Ignatianische Pädagogik.

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