Frauenrechte Menschenrechte

Zusammenleben  

Frauenrechte sind Menschenrechte!

Ein Beitrag zum Internationalen Tag der Menschenrechte

Die Jubiläumskampagne #BORNEQUAL bringt die Arbeit und den Einsatz von TERRE DES FEMMES auf den Punkt. Mit einer schlichten Botschaft macht die Organisation auf unsägliche Wahrheiten aufmerksam.

Es ist absurd, dass in vielen Fällen ein winziges X-Chromosom ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben in Freiheit verhindert. Weltweit sind Millionen Mädchen und Frauen von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen betroffen, nur weil sie mit zwei X-Chromosomen auf die Welt gekommen sind. Vergewaltigungen, Zwangsverheiratungen, Genitalverstümmelungen, Schläge, Hassworte gehören zur Lebensrealität von viel zu vielen Mädchen und Frauen. Deshalb muss es heißen: NEIN! zu geschlechtsspezifischer Gewalt.

JA! für ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt für alle Mädchen und Frauen weltweit. Die Geschlechter sind einander ebenbürtig – ohne Wenn und Aber. Wir alle sind bornequal!


Was zwei X-Chromosomen bedeuten …

Zwei X-Chromosomen bedeuten, mit einer Vagina auf die Welt zu kommen. Und für 200 Millionen Mädchen eine Genitalverstümmelung. Für alle Mädchen und Frauen muss das Recht gelten, unversehrt an Leib und Seele aufwachsen zu können. Auch in Deutschland leben rund 75.000 Betroffene von weiblicher
Genitalverstümmelung, fast 20.000 Mädchen sind gefährdet, beschnitten zu werden. Die wichtigsten Mittel zur Überwindung dieser grausamen Tradition sind Präventionsarbeit und Aufklärung.

Zwei X-Chromosomen machen einen Menschen biologisch zur Frau. Und 650 Millionen Mädchen zu Ehefrauen, bevor sie 18 Jahre alt sind. Aufgrund traditioneller Vorstellungen von Familien-Ehre und Jungfräulichkeit werden Mädchen vor dem 18. Lebensjahr verheiratet. Die Folgen sind gravierende Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Weltweit ist dies die zweithäufigste Todesursache in der Gruppe 15- bis 19-jähriger Mädchen und junger Frauen.

TERRE DES FEMMES hat sich dafür eingesetzt, dass in Deutschland 2017 das Mindestheiratsalter auf 18 Jahre festgesetzt wurde ohne Ausnahme.

Milliardengeschäft Prostitution

Zwei X-Chromosomen hat sich keine Frau ausgesucht. Und die Mehrheit hat sich nicht freiwillig für die Prostitution entschieden.

Alle Menschen haben ein Recht auf Sexualität, aber kein Mensch hat ein Recht auf Sex.

Prostitution ist ein Milliardengeschäft in Deutschland. Die meisten Prostituierten haben daran keinen Anteil. Viele kommen aus dem Ausland, wurden mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, prostituieren sich aus finanzieller Not heraus. Entsprechend dem Nordischen Modell sollte auch in Deutschland ein Umdenken stattfinden. Dies bedeutet die Entkriminalisierung von Prostituierten – stattdessen das Einführen einer Bestrafung der Sexkäufer und Bordellbetreiber. Ausstiegsprogramme für Prostituierte müssen vermehrt auf- und ausgebaut werden.

Jede dritte Frau weltweit ist betroffen von Gewalt

Zwei X-Chromosomen sind das weibliche biologische Merkmal. Und für jede dritte Frau der Grund für sexualisierte und physische Gewalt.

Das eigene Zuhause ist für Frauen diesbezüglich der gefährlichste Ort – auch in Deutschland. Die aktuelle Statistik des Bundeskriminalamtes bestätigt es: die Partnerschaftsgewalt ist um rund 5 % gestiegen. 2020 wurde alle 2,5 Tage eine Frau von ihrem Partner oder Expartner getötet – 139 Femizide in Deutschland!

Im Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung sind drei wichtige Forderungen verankert:

  • die vorbehaltlose und wirksame Umsetzung der Istanbul Konvention
  • die Absicherung des Rechtsschutzes vor Gewalt für jede Frau und ihre Kinder
  • und die Sicherstellung einer bundeseinheitlich verlässlichen Finanzierung von Frauenhäusern.

Es stimmt hoffnungsfroh, dass die neue Bundesregierung sich umfassend für den Gewaltschutz für Mädchen und Frauen einsetzen will. TERRE DES FEMMES wird die Regierung an ihren Versprechungen messen und bietet überdies natürlich das Wissen von Expertinnen an.

Frauenrechte sind Menschenrechte. Wir alle sind bornequal. 

Foto: © Sybille Sterk


Christa Stolle

ist geschäftsführende Vorständin von TERRE DES FEMES (TDF). Sie studierte Ethnologie und Empirische Kulturwissenschaften. Sie war nahezu von Beginn an bei (TDF) tätig, zunächst ehrenamtlich im Vorstand und in der Städtegruppe Tübingen. Sie gründete die Geschäftsstelle in Tübingen und führt seit 1990 hauptamtlich den gemeinnützigen Verein, seit 2011 von Berlin aus. Stolle formte die Frauenrechtsarbeit von TDF maßgeblich und baute kontinuierlich neue Arbeitsfelder auf. Schon in der Anfangsjahren gründete sie das Referat „Frauenrechte in islamischen Gesellschaften“ welches später umbenannt wurde in „Gewalt im Namen der Ehre“. Auch die seit 2001 bundesweit stattfindende Fahnenaktion von TDF zum Internationalen Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen!“ geht auf ihre Initiative zurück. 2004 übernahm sie auch die Geschäftsführung für die TERRE DES FEMMES Stiftung. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes (2013) und des Verdienstordens des Landes Berlin (2019).

Foto: ©Gesine Born

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